Johannes Fischer: Milliardäre gehen nicht in Rente

Zuerst erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 10.08.2014, S. 19

David Rubenstein gehört zu den Leuten, die SPD-Politiker Franz Müntefering vor neun Jahren als „Heuschrecken“ diffamierte. Der Multimilliardär ist Mitbegründer der Carlyie Group, der weltweit größten Private-Equity-Gesellschaft nach Blackstone, und feiert am Montag seinen 65. Geburtstag – an Rente ist für so jemanden frei­lich nicht zu denken. Rubenstein wuchs als einziger Sohn einer jüdischen Familie in Baltimore (Mary­land) auf und steht heute noch für den amerikanischen Traum. Der Sohn eines Postsortierers und einer Hausfrau arbeitete nach dem Jura­studium in Chicago zunächst als Ju­rist und als innenpolitischer Bera­ter unter Präsident Jimmy Carter, bevor er 1987 zusammen mit zwei Geschäftspartnern Carlyie gründe­te. Im April 2012 folgte der Börsen­gang der Beteiligungsgesellschaft, Rubensteins Vermögen wird mitt­lerweile auf rund 3 Milliarden Dol­lar geschätzt. Seine drei Kinder wer­den davon allerdings nicht viel se­hen, denn der Milliardär hat sich im Rahmen des „Giving Pledge“ verpflichtet, mindestens die Hälfte seines Vermögens zu spenden. Nur wenige Leute, die viel geerbt hät­ten, würden später Nobelpreise ge­winnen oder Geschichte schreiben, sagte Rubenstein der F.A.Z. Aber auch schon zu Lebzeiten ist Ruben­stein als Philanthrop unterwegs und unterstützt neben Kultur- und Bildungseinrichtungen insbesonde­re Institutionen, die mit der ameri­kanischen Regierung oder amerika­nischer Geschichte zu tun haben. Schmälern wird das sein Vermögen wohl kaum, denn die Private-Equity-Branche befindet sich nach der Wirtschaftskrise wieder auf Erho­lungskurs. Nur eines bereut er heu­te noch: Die Chance, als einer der ersten Investoren beim damals noch unbekannten Facebook einzu­steigen, ließ er verstreichen.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ökonomie

Johannes Fischer: Vom Sexshop in die Telekom

Zuerst erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 03.08.2014, S. 21

Der französische Telekombetreiber Iliad ist am Donnerstag in den Übernahmepoker um die amerika­nische Töchter der Deutschen Tele­kom, T-Mobile US, eingestiegen. Hinter Iliad steckt der französische Milliardär Xavier Niel, den die „Fi­nancial Times“ schon als Steve Jobs Frankreichs bezeichnet hat. Ange­fangen hatte der langhaarige Fran­zose mit Erotik-Chats, später mach­te er mit Sexshops sein Geld. Während der Zeit als Rotlicht-Anbieter saß Nial einen Monat wegen des Verdachts auf Zuhälterei in Untersuchungshaft und wurde wegen Unterschlagung sogar zu ei­ner Bewährungsstrafe verurteilt. Mit dem Wechsel auf den Telekommunikationsmarkt schüttelte er das Schmuddel-Image ab: 1993 gründe­te der Mann aus den Pariser Voror­ten den ersten Internetanbieter Frankreichs, verkaufte diesen kurz vor dem Platzen der Intemetblase und gründete direkt danach Iliad.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ökonomie

Johannes Fischer: Nur für echte Dreckskerle

Erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 03.08.2014, S. 21, von Johannes Fischer und Stefan Heimerl

Tough Mudder ist ein Hindernislauf für die ganz Harten. Tausende Menschen quälen sich freiwillig durch Matsch und Pfützen.

In Becken gefüllt mit Eiswasser eintauchen, über brennende Heu­ballen springen und dann 1o ooo-Volt-Stromschläge ertragen: Was nach der Folterkammer eines Ge­heimdienstes klingt, ist in Wirk­lichkeit ein Hindernislauf, an dem jeder teilnehmen kann.

Das amerikanische Unterneh­men Tough Mudder ist Marktfüh­rer und richtet seit 2010 diese Spek­takel aus: Auf Strecken zwischen zehn und 20 Kilometern warten rund 25 Hindernisse, die man ei­gentlich auf dem Trainingsgelän­de einer militärischen Spezialein- heit erwarten würde. Die Teilneh­mer müssen aus großer Höhe in Eisbecken springen, mehrere Lkw-Reifen 200 Meter weit zie­hen und durch Matsch robben, während sich Zentimeter über ih­ren Köpfen Stacheldraht spannt oder Stromkabel hängen. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ökonomie

Timotheus Stark: Qual der Wahl? – Juncker auf dem Kommissar-Basar

Dass Harmonie und europäische Harmonisierung durchaus auch gegensätzliche Begriffe sein können, zeigt sich besonders anschaulich, wenn man beobachtet, wie Jean-Claude Juncker rastlos über den europäischen Basar eilt auf der Suche nach geeigneten Kommissaren für seine Kommission. Verschiedene politische sowie länderspezifische Auffassungen und die Ansprüche der Großen und Kleinen sollen am Ende in einer Kommission zusammenfließen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Politik

Johannes Fischer: Amerika ist noch weit weg

Erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 27.07.2014, S. 19, von Corinna Budras und Johannes Fischer

Das geplante Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten kann sich Europa getrost sparen, sagen Kritiker. Schließlich sei der Handel schon liberalisiert. Doch stimmt das wirklich?

Gegner des geplanten Freihandels­abkommens mit den Vereinigten Staaten machen sich die Argumen­tation mitunter ganz einfach: Statt die einzelnen Kritikpunkte des Mammutprojekts aufzuzählen, wird die Behauptung in den Raum gestellt, der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Europa sei ohnehin schon weitgehend liberali­siert. Zusätzliches Wachstum oder gar spürbare Verbesserungen für den Verbraucher werde es nicht ge­ben, heißt es lapidar. Dann aller­dings könnte man sich das zähe Rin­gen um einen Kompromiss auch sparen. Der ganze Arger also für nichts und wieder nichts? Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ökonomie, Politik

Christoph Heuermann: Two Nationalisms – Why Pro-liberty Is Not Anti-EU

Freedom for the unconditional Eurosceptics of the far right is merely freedom from Europe. They lack a universal application of liberty since their notion is based on nationality alone. “Freedom for the UK,” Nigel Farage, a prominent Eurosceptic of the UK Independence Party, proclaims, but he means freedom for the British only. For immigrants there is no space on his island.

Secessionist and independence-seeking parties are perfectly legitimate if they seek escape from the concentration of power. However, mostly they only want to shift powers from the supranational level back to the national level. They don’t oppose power per se. Their agenda is nationalist, and their sense of superiority will finally lead to misery. They do not understand the essence of liberty. Thus they oppose supranational institutions like the European Union.

Weiterlesen auf AtlasOne …

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Politik

Johannes Fischer: Taxi oder Uber?

Zuerst erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 27.07.2014, S. 25

Bis vor kurzem war die Welt der Transportmittel noch denkbar übersichtlich: Wer in Eile ist und es sich leisten kann, nimmt ein Taxi, der Rest steigt in Bus oder Bahn. Doch seit kurzem gibt es in einigen deutschen Großstädten eine Alternative, die den Markt mächtig in Wallungen bringt: den Fahrdienst Uber Pop. Seine Autos sind auf Anhieb gar nicht so leicht zu erkennen, für sie gibt es weder Elfenbein als Einheitsfarbe noch ein leuchtendes Schild auf dem Dach. Hier sitzen keine professionellen Taxifahrer hinter dem Steuer, sondern Privatleute, die mit ihrem eigenen Auto fremde Leute durch die Gegend kutschieren – das Smartphone macht es möglich.

Hinter Uber verbirgt sich nichts anderes als eine App, die Privatleute mit Auto und Zeit mit anderen Privatleuten zusammenbringt, die weder das eine noch das andere haben. Das zumindest ist die Idee. Ob sie wirklich funktioniert, ist heftig umstritten. Wir wollen deshalb testen: Wer schneidet besser ab, der Privatfahrer oder der Mann mit dem Taxischein?

Weiterlesen auf FAZ.net …

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ökonomie, Politik